Schweizer Unternehmer analysiert Währungscharts vor Alpenpanorama
Veröffentlicht am April 18, 2024

Ein starker Franken ist für Schweizer Exporteure keine Überraschung, sondern eine Konstante. Der Schutz Ihrer Marge hängt nicht von kurzfristigen Reaktionen, sondern von einer langfristig aufgebauten operativen und strategischen Resilienz ab.

  • Die Positionierung als „Swiss Made“-Premiumanbieter ist die stärkste Verteidigung gegen Preisdruck.
  • „Natural Hedging“ durch eine intelligente Gestaltung der Wertschöpfungskette reduziert das Risiko bereits auf operativer Ebene.
  • Eine strategische Marktdiversifizierung über die Eurozone hinaus ist zur Risikostreuung unerlässlich.

Empfehlung: Beginnen Sie sofort mit der Analyse Ihrer Wertschöpfungskette auf Potenziale für „Natural Hedging“, um Ausgaben und Einnahmen in Fremdwährungen anzugleichen.

Der Schock sitzt tief: Über Nacht wertet der Schweizer Franken um 10% auf, und die sorgfältig kalkulierten Margen Ihrer Exportgeschäfte drohen zu pulverisieren. Für viele Inhaber und CFOs von Schweizer KMU ist dieses Szenario ein wiederkehrender Albtraum, der die Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten fundamental in Frage stellt. Die ersten Reflexe sind oft defensiv: hektische Anrufe beim Devisenhändler, panische Überprüfung der Preiskalkulationen, vielleicht sogar die Hoffnung, das Problem durch Rechnungsstellung in CHF einfach an den Kunden weitergeben zu können. Diese Massnahmen sind jedoch oft nur ein Pflaster auf einer strukturellen Wunde.

Doch was, wenn die wahre Lösung nicht in der reaktiven Bekämpfung der Frankenstärke liegt, sondern in der proaktiven Gestaltung eines Geschäftsmodells, das diese Volatilität als festen Parameter einkalkuliert? Erfolgreiche Schweizer Export-KMU sehen die Währungsstärke nicht als Krise, sondern als ultimativen Test ihrer operativen Exzellenz und strategischen Positionierung. Es geht darum, eine Form von Währungs-Antifragilität zu entwickeln – eine Robustheit, die über einfaches Hedging hinausgeht und das Unternehmen widerstandsfähiger macht. Anstatt den Wechselkurs zu fürchten, lernen sie, ihn zu managen.

Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie diesen Paradigmenwechsel vollziehen. Wir werden nicht nur die bekannten Hedging-Instrumente beleuchten, sondern tief in die strategischen und operativen Hebel eintauchen, die Ihnen helfen, Ihre Marge nachhaltig zu schützen. Von der konsequenten Kommunikation des „Swiss Made“-Werts über die Optimierung Ihrer Wertschöpfungskette bis hin zur intelligenten Marktdiversifizierung – Sie erhalten einen umfassenden Plan, um Ihr Unternehmen für die Realität des starken Frankens zu wappnen.

Um diese Herausforderung strukturiert anzugehen, führt dieser Leitfaden Sie durch acht entscheidende Handlungsfelder. Jedes Kapitel beleuchtet einen spezifischen Aspekt des Währungsrisikomanagements und bietet konkrete, umsetzbare Strategien für Ihr KMU.

Inhaltsverzeichnis: Strategien zum Schutz vor dem starken Franken

Warum „Swiss Made“ höhere Preise rechtfertigt und wie Sie diesen Premium-Wert kommunizieren

In einem Umfeld, in dem der starke Franken Ihre Produkte im Ausland verteuert, ist der Versuch, über den Preis zu konkurrieren, ein verlorener Kampf. Die erste und stärkste Verteidigungslinie ist eine kompromisslose strategische Preisdisziplin, die auf dem unschätzbaren Wert des Labels „Swiss Made“ fusst. Qualität, Präzision, Zuverlässigkeit und Innovationskraft sind keine leeren Marketingphrasen, sondern ein reales, von Kunden geschätztes Leistungsversprechen, das einen Preisaufschlag rechtfertigt. Der Erfolg der Schweizer Exportwirtschaft belegt dies eindrücklich: Trotz Währungsdrucks steigen die Exporte kontinuierlich, wie die neuesten Zahlen des Bundesamts für Zoll zeigen, die für 2024 ein Rekordvolumen von über 282 Milliarden Franken ausweisen.

Ihre Aufgabe als Unternehmer oder CFO ist es, diesen Wert aktiv zu managen und unmissverständlich zu kommunizieren. Es bedeutet, in die Dokumentation Ihrer Qualitätsprozesse, in Kundenservice und in die Innovationsführerschaft zu investieren. Wenn Ihr Kunde versteht, dass er nicht nur ein Produkt, sondern auch Prozesssicherheit, Langlebigkeit und geringere Total Cost of Ownership (TCO) kauft, rückt der reine Währungseffekt in den Hintergrund. Ein finanzielles Polster durch Absicherungsgeschäfte kann dabei taktisch unterstützen, ersetzt aber niemals die strategische Grundlage einer starken Marke.

Praxisbeispiel: Ochsner Hockey AG

Der Sportartikelhändler Ochsner Hockey, der einen Grossteil seiner Waren in Fremdwährungen einkauft, zeigt, wie eine Mischstrategie funktioniert. Bei der grossen jährlichen Saisonbestellung sichert das Unternehmen etwa die Hälfte des Bestellvolumens mit Devisentermingeschäften zu einem fixen Kurs ab. Die andere Hälfte bleibt ungesichert, um von potenziell günstigeren Wechselkursentwicklungen profitieren zu können. Diese Kombination aus Sicherheit und Flexibilität erlaubt es, die Margen zu schützen, ohne auf Chancen zu verzichten.

Einkauf in Euro, Verkauf in Euro: Wie Sie Währungsrisiken operativ minimieren

Während die Preisstrategie die Aussensicht stärkt, liegt der Schlüssel zur internen Absicherung in der operativen Resilienz. Die eleganteste Methode, Währungsrisiken zu neutralisieren, ist das sogenannte „Natural Hedging“. Das Prinzip ist einfach: Gleichen Sie Einnahmen und Ausgaben in der gleichen Fremdwährung so weit wie möglich aus. Wenn Ihr Unternehmen beispielsweise erhebliche Umsätze in Euro erzielt, prüfen Sie systematisch, welche Vorleistungen, Rohstoffe oder Dienstleistungen Sie ebenfalls in Euro einkaufen können. Jeder Euro, den Sie für Ihre Produktion ausgeben, ist ein Euro, den Sie nicht mehr gegen den starken Franken absichern müssen.

Dieser Ansatz erfordert eine tiefgehende Analyse und möglicherweise eine Anpassung Ihrer gesamten Wertschöpfungskette. Fragen Sie sich:

  • Welche Lieferanten haben ihren Sitz im Euroraum oder können in Euro fakturieren?
  • Können Betriebsstätten oder Logistikzentren strategisch im Euroraum platziert werden, um dort Kosten in lokaler Währung zu generieren?
  • Gibt es die Möglichkeit, Finanzierungen direkt in Euro aufzunehmen, um Zins- und Tilgungszahlungen mit den Euro-Einnahmen zu bedienen?

Ein perfekter Ausgleich ist selten möglich, aber jede Annäherung reduziert Ihr Netto-Exposure und damit die Kosten für traditionelle Hedging-Instrumente. Erst für die verbleibende offene Position (z.B. der in Franken zu konvertierende Gewinn) kommen dann Finanzinstrumente wie Devisentermingeschäfte oder Währungsoptionen ins Spiel. Natural Hedging ist somit die strategische Basis, Finanzinstrumente die taktische Ergänzung.

Negativzinsen oder Leitzinserhöhung: Was bedeutet der SNB-Entscheid für Ihren Geschäftskredit?

Als Schweizer Exporteur agieren Sie in einem Spannungsfeld, das massgeblich von den Entscheidungen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) geprägt ist. Die SNB verfolgt primär das Ziel der Preisstabilität, muss aber stets auch die konjunkturelle Entwicklung im Auge behalten – eine Gratwanderung, die bei einer Aufwertung des Frankens besonders heikel wird. Ein starker Franken wirkt deflationär, was der SNB Spielraum für Zinssenkungen geben könnte, um die Währung zu schwächen. Gleichzeitig können globale Inflationsängste oder eine robuste Binnenkonjunktur für Zinserhöhungen sprechen. Für Sie als Unternehmer ist das Verständnis dieser Dynamik entscheidend, da sie direkt Ihre Finanzierungskosten und die Attraktivität Ihrer Absicherungsstrategien beeinflusst.

Eine Zinssenkung der SNB kann Ihre variablen Geschäftskredite in Franken verbilligen, macht aber gleichzeitig das Halten von Franken-Liquidität unattraktiver und kann den Aufwertungsdruck kurzfristig dämpfen. Eine Zinserhöhung hingegen verteuert Ihre Kredite, stärkt aber potenziell den Franken weiter. Die Zinsdifferenz zwischen dem Franken und anderen Währungen (z.B. dem Euro) ist zudem ein wesentlicher Treiber der Kosten für Devisentermingeschäfte. Als Treasurer oder CFO müssen Sie diese Makro-Ebene im Blick behalten, um Ihre Finanzierungs- und Hedging-Strategie anzupassen.

Bankberater erklärt Zinsentwicklung an Schweizer KMU-Inhaber

In Krisenzeiten schliesst die SNB auch unkonventionelle Massnahmen nicht aus. Wie Analysten betonen, gehört eine Notfallzinssenkung zum potenziellen Instrumentarium, um einer dramatischen Aufwertung entgegenzuwirken. So kommentiert das UBS Research Team in einem Bericht für Blick Wirtschaft:

Die SNB habe bei starken Franken-Aufwertungen bereits in der Vergangenheit öfter zur ‚radikalsten Option‘ gegriffen. Eine Notfallzinssenkung würde darauf hindeuten, dass die SNB die Eskalation der Handelskonflikte als besonders negative potenzielle Konsequenz für die Schweizer Inflation und das Wachstum betrachtet.

– UBS Research Team

Der Fehler, 80% des Umsatzes nur in Deutschland zu machen

Die geografische Nähe, die gemeinsame Sprache und die kulturelle Vertrautheit machen Deutschland für viele Schweizer KMU zum naheliegendsten und wichtigsten Exportmarkt. Eine Konzentration von 80% oder mehr des Umsatzes auf diesen einen Markt oder die Eurozone insgesamt ist jedoch ein strategischer Fehler, der ein massives Klumpenrisiko darstellt. Wenn der Franken gegenüber dem Euro aufwertet, trifft dies Ihr gesamtes Exportgeschäft mit voller Wucht. Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass selbst Exporte in die direkten Nachbarländer keine Selbstläufer sind; so gingen die Ausfuhren nach Deutschland 2024 um 2,1% und nach Österreich sogar um 16,2% zurück.

Die Lösung liegt in der intelligenten Diversifizierung Ihrer Absatzmärkte. Es geht nicht darum, bewährte Märkte aufzugeben, sondern neue, weniger korrelierte Märkte strategisch zu erschliessen. Der Fokus sollte dabei auf Regionen liegen, deren Währungen sich historisch anders zum Franken verhalten als der Euro, oder in denen Ihr „Swiss Made“-Leistungsversprechen einen besonders hohen Stellenwert hat. Die USA sind hierfür ein Paradebeispiel. Sie haben sich zum mit Abstand wichtigsten Einzelmarkt für die Schweiz entwickelt und Deutschland überholt. Aktuelle Exportstatistiken des Bundesamts für Zoll belegen, dass die USA mit 52,7 Mrd. CHF und einem Anteil von 18,6% an der Spitze stehen.

Andere vielversprechende Regionen sind Asien (insbesondere für hochwertige Konsumgüter und Präzisionstechnologie) oder der Nahe Osten (für Luxusgüter und Medizintechnik). Eine breitere geografische Aufstellung mildert nicht nur das Währungsrisiko, sondern auch die Abhängigkeit von der Konjunktur eines einzelnen Wirtschaftsraums. Eine solche Diversifizierung ist ein langfristiges strategisches Projekt, das Investitionen in Marktanalyse, Vertriebsaufbau und die Anpassung an lokale Gegebenheiten erfordert, sich aber durch eine deutlich erhöhte Resilienz auszahlt.

Wie Schweizer Hidden Champions Märkte dominieren, die zu klein für globale Giganten sind

Eine der wirksamsten Strategien, um dem Preisdruck durch einen starken Franken zu entgehen, ist die Konzentration auf eine hochspezialisierte Nische. Schweizer „Hidden Champions“ sind Meister darin, Märkte zu identifizieren und zu dominieren, die für globale Grosskonzerne zu klein, zu komplex oder zu speziell sind. In einer solchen Nische sind Sie nicht nur einer von vielen Anbietern, sondern möglicherweise der einzige weltweit, der eine bestimmte technologische Lösung, eine Komponente mit extremen Toleranzen oder ein hochkomplexes System anbieten kann. In dieser Position diktieren Sie die Preise, nicht der Währungsmarkt.

Der starke Franken wird hierbei von einer Bedrohung zu einem Katalysator für Innovation. Er zwingt Unternehmen, sich kontinuierlich zu verbessern und einen technologischen Vorsprung zu erarbeiten, der nicht einfach kopiert werden kann. Kunden in diesen Nischenmärkten – sei es in der Medizintechnik, der Uhrenindustrie, der Luft- und Raumfahrt oder im Spezialmaschinenbau – suchen nicht den billigsten, sondern den besten und zuverlässigsten Partner. Die Frage lautet nicht „Was kostet es in Euro?“, sondern „Können Sie dieses Problem für uns lösen?“. Wenn die Antwort „Ja“ lautet, ist der Preis oft sekundär.

Die Entwicklung einer solchen Nischenstrategie ist ein anspruchsvoller Prozess, der eine ehrliche Analyse der eigenen Kernkompetenzen und des Marktumfelds erfordert. Der Fokus liegt darauf, einen uneinholbaren Wettbewerbsvorteil durch Spezialisierung und Komplexitätsbeherrschung aufzubauen.

Ihr Aktionsplan zur Entwicklung einer Nischenstrategie

  1. Marktlücken identifizieren: Suchen Sie gezielt nach hochspezialisierten Komponenten, Technologien oder Dienstleistungen, für die es im Euroraum keine oder nur unzureichende Anbieter gibt.
  2. Eintrittsbarrieren analysieren: Bewerten Sie potenzielle Nischenmärkte nach technischen, regulatorischen oder kapitalintensiven Hürden, die für Grosskonzerne unattraktiv sind.
  3. „Swiss Made“ fokussieren: Konzentrieren Sie Ihre Entwicklungs- und Marketinganstrengungen auf typische Schweizer Qualitätsmerkmale: höchste Präzision, absolute Zuverlässigkeit und das Management komplexer Systeme.
  4. Erfahrung als Vorteil nutzen: Die jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit einem starken Franken ist ein Wettbewerbsvorteil. Nur eine konsequente Spezialisierung schützt vor schockartigen Aufwertungen.
  5. Als einziger Anbieter positionieren: Arbeiten Sie darauf hin, in Ihrer klar definierten Nische als der weltweit führende oder sogar einzige Lösungsanbieter wahrgenommen zu werden.

Wie Sie Ihre Beschaffung optimieren, um nicht von einem einzigen Handelsblock abhängig zu sein

Die Diversifizierung betrifft nicht nur Ihre Absatzmärkte, sondern ebenso kritisch Ihre Beschaffungsseite. Eine starke Abhängigkeit von Lieferanten aus einem einzigen Währungsraum, typischerweise der Eurozone, schafft ein spiegelbildliches Risiko zu Ihrer Umsatzkonzentration. Wenn der Franken aufwertet, werden Ihre Einkäufe zwar günstiger, aber Sie sind gleichzeitig den wirtschaftlichen und politischen Risiken dieses einen Handelsblocks voll ausgesetzt. Eine Unterbrechung der Lieferketten, neue Handelshemmnisse oder eine Rezession im Euroraum können Ihr gesamtes Geschäftsmodell gefährden.

Eine global diversifizierte Beschaffungsstrategie, das „Global Sourcing“, streut dieses Risiko. Indem Sie Lieferanten aus verschiedenen Währungsräumen (z.B. Asien, Nordamerika) in Ihren Pool aufnehmen, schaffen Sie nicht nur Wettbewerb und potenziell bessere Einkaufspreise, sondern auch eine höhere Ausfallsicherheit. Fällt ein Lieferant oder eine ganze Region aus, können andere einspringen. Zudem können Sie Ihre Einkäufe teilweise an Ihre Umsatzwährungen koppeln und so das „Natural Hedging“ weiter ausbauen. Ein weiterer Hebel sind vertragliche Vereinbarungen. Anstatt starre Verträge in CHF oder EUR abzuschliessen, können Währungsklauseln eine faire Risikoteilung zwischen Ihnen und Ihrem Lieferanten ermöglichen.

Weltkarte mit diversifizierten Handelsrouten aus Schweizer Perspektive

Diese Klauseln definieren eine Wechselkurs-Bandbreite. Wird diese über- oder unterschritten, wird der Preis automatisch angepasst. Der folgende Vergleich zeigt die Risikoverteilung unterschiedlicher Vertragsmodelle bei einer Frankenaufwertung, basierend auf einer Analyse von Vertragstypen.

Vergleich von Vertragstypen und Währungsrisiko
Vertragstyp Risiko bei 10% Aufwertung Margenschutz
Standardvertrag in CHF Produkte werden für EU-Kunden deutlich teurer Keine Absicherung
Vertrag mit Währungsklausel Preisanpassung bei Überschreitung definierter Bandbreite (+/- 3%) Teilweise geschützt
Vertrag in EUR Exporteur trägt volles Kursrisiko Nur mit Hedging

Projekt Helvetia: Testet die Nationalbank den digitalen Franken für den Interbankenhandel?

Während die bisherigen Strategien auf bewährten betriebswirtschaftlichen Prinzipien beruhen, lohnt sich auch ein Blick in die Zukunft des Finanzsystems. Die Schweizerische Nationalbank experimentiert aktiv mit einer digitalen Form des Frankens, einer sogenannten „Wholesale Central Bank Digital Currency“ (wCBDC). Im Rahmen von Initiativen wie dem „Projekt Helvetia“ und „Projekt Jura“ testet die SNB gemeinsam mit Geschäftsbanken und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), wie Transaktionen zwischen Finanzinstituten auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) abgewickelt werden können.

Für Sie als Exportunternehmen mag dies zunächst abstrakt klingen, doch die potenziellen Auswirkungen sind enorm. Das Hauptziel einer wCBDC ist die Schaffung eines effizienteren, schnelleren und kostengünstigeren Systems für den grossvolumigen Zahlungsverkehr, insbesondere über Grenzen hinweg. Stellen Sie sich vor, Sie könnten einen Währungstausch von Euro in Franken nahezu in Echtzeit und ohne die heute üblichen Gebühren und Zeitverzögerungen durch Korrespondenzbanken durchführen. Dieser sogenannte „atomare Tausch“ (Payment-versus-Payment) würde das Abwicklungsrisiko drastisch reduzieren und die Kosten für internationale Transaktionen senken.

Auch wenn ein digitaler Franken für die breite Öffentlichkeit (Retail CBDC) derzeit von der SNB nicht angestrebt wird, schreitet die Entwicklung im Interbankenbereich voran. Schweizer Fintech-Unternehmen arbeiten bereits an Lösungen, die auf diesen neuen Technologien aufbauen. Für einen CFO oder Treasurer ist es wichtig, diese Entwicklungen zu beobachten. Sie könnten in den kommenden Jahren neue, weitaus effizientere Werkzeuge für das internationale Liquiditäts- und Währungsmanagement hervorbringen.

Das Wichtigste in Kürze

  • „Swiss Made“ als Preisverteidigung: Der wichtigste Schutz Ihrer Marge ist eine klare Premium-Positionierung, die höhere Preise rechtfertigt und den Fokus vom Wechselkurs auf den Wert lenkt.
  • Operative vor finanzieller Absicherung: „Natural Hedging“ durch eine an die Währungsströme angepasste Wertschöpfungskette ist robuster und nachhaltiger als reines Finanz-Hedging.
  • Strategische Diversifizierung: Die Abhängigkeit von der Eurozone ist ein Klumpenrisiko. Die Erschliessung neuer Märkte, insbesondere in anderen Währungsräumen wie Nordamerika oder Asien, ist ein strukturelles Muss.

Wie sichern Freihandelsabkommen den Wohlstand der Schweiz ohne EU-Mitgliedschaft?

Auf der Makroebene ist die Fähigkeit der Schweiz, trotz starkem Franken erfolgreich zu exportieren, untrennbar mit ihrem Netzwerk an Freihandelsabkommen (FHA) verbunden. Ohne Mitgliedschaft in der EU ist dieser bilaterale und multilaterale Weg für die Schweizer Wirtschaft von existenzieller Bedeutung. Diese Abkommen bauen Zollschranken und andere Handelshemmnisse ab, schaffen Rechtssicherheit und ermöglichen Schweizer Unternehmen einen privilegierten Zugang zu Märkten auf der ganzen Welt. Sie sind das Fundament, auf dem die Strategien der Marktdiversifizierung erst aufbauen können.

Das engmaschige Netz von derzeit über 30 FHA mit mehr als 40 Partnern ausserhalb der EU ist ein entscheidender Standortvorteil. Es erlaubt Schweizer KMU, die Nachteile des starken Frankens durch einen erleichterten Marktzugang teilweise zu kompensieren. Der Erfolg dieses Modells spiegelt sich in der Handelsbilanz wider: Mit einem Rekordüberschuss von 60,6 Milliarden Franken im Jahr 2024 zeigt die Schweiz, dass ihre Exportwirtschaft trotz aller Herausforderungen extrem wettbewerbsfähig ist. Für Ihr Unternehmen bedeutet dies, die durch FHA eröffneten Chancen aktiv zu nutzen und bei der Auswahl neuer Zielmärkte die jeweiligen vertraglichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Die Sicherung und der kontinuierliche Ausbau dieses Netzwerks haben daher für die Schweizer Wirtschaftspolitik höchste Priorität. Wie Experten betonen, ist dies der Schlüssel zur Wahrung des Wohlstands.

Unsere Exportunternehmen sind auf geregelte Beziehungen zur EU angewiesen. Die Sicherung des bilateralen Wegs hat Priorität. Das Schweizer Netz an Freihandelsabkommen sollte weiter ausgebaut werden.

– Dr. Jan Atteslander, economiesuisse Bereichsleiter Aussenwirtschaft

Um die Resilienz Ihres Unternehmens langfristig zu sichern, ist es entscheidend, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verstehen, die den Erfolg der Schweiz ermöglichen.

Die Bewältigung der Frankenstärke ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein kontinuierlicher Prozess der strategischen Anpassung. Ein proaktives und vielschichtiges Währungsrisikomanagement, das operative Exzellenz, strategische Positionierung und eine kluge Nutzung der globalen Handelsarchitektur kombiniert, ist der einzige Weg, um Ihre Margen nicht nur zu schützen, sondern Ihr Unternehmen für die Zukunft zu stärken. Beginnen Sie noch heute damit, diese Strategien auf Ihr Geschäftsmodell anzuwenden und eine umfassende Risikobewertung durchzuführen.

Häufig gestellte Fragen zum digitalen Franken

Was ist ein Wholesale CBDC?

Ein digitaler Interbanken-Franken (Wholesale Central Bank Digital Currency) ist eine von der Nationalbank ausgegebene digitale Währung, die ausschliesslich für Transaktionen zwischen Finanzinstituten wie Banken bestimmt ist. Er soll den Zahlungsverkehr effizienter und sicherer machen, insbesondere bei grenzüberschreitenden Zahlungen.

Wie könnte das den Export erleichtern?

Ein digitaler Franken könnte den Währungsumtausch durch sogenannte „atomare Tauschgeschäfte“ (Payment-versus-Payment) revolutionieren. Dies würde eine Abwicklung von Währungstransaktionen nahezu in Echtzeit ermöglichen und die Notwendigkeit von Intermediären (Korrespondenzbanken) sowie deren Gebühren und Abwicklungsrisiken drastisch reduzieren.

Wann wird das Realität?

Eine Einführung ist noch nicht terminiert, aber die Schweizerische Nationalbank (SNB) testet die Technologie bereits intensiv in Pilotprojekten wie „Projekt Helvetia“ und „Projekt Jura“. Parallel arbeiten führende Schweizer Fintech-Unternehmen an ersten kommerziellen Lösungen, was darauf hindeutet, dass erste Anwendungen in den nächsten Jahren Realität werden könnten.

Geschrieben von Urs Hürlimann, Eidgenössisch diplomierter Treuhandexperte und Finanzberater mit über 20 Jahren Erfahrung am Finanzplatz Zürich. Spezialisiert auf Steueroptimierung, Vermögensverwaltung und KMU-Finanzierung.